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Hier finden Sie eine Sammlung von spannenden Fachthemen, die unsere Redakteure aus den verschiedenen Bereichen unserer Unternehmensgruppe für unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter monatlich für unsere Unternehmenszeitung "Spruchreif" erstellen.

MRE - Multiresistente Erreger, Teil 2 NvE 

In der November-Ausgabe Ihrer Spruchreif, hatte unsere Hygienebeauftragte Nadine von Ende bereits erste Informationen zum Umgang mit Multiresistenten Erregern (MRE) für Sie zusammengefasst. Dabei hat sie Ihnen allgemeine Informationen zu diesem Thema, die Symptome bei deiner MRE-Infektion, die notwendigen Therapie- und Pflegemaßnahmen sowie Ihren pflegefachlichen Beratungsauftrag vermittelt. Wir haben uns dazu entscheiden, Ihnen an dieser Stelle weitere Informationen zum Thema MRE bereit zu stellen, welche Sie selbstverständlich auch zur Pflegeberatung Ihrer Klienten, deren Angehörigen und Betreuer verwenden können.

ZIELSETZUNG BEI MRE-BEFALL

Oberstes Ziel bei einem diagnostizierten MRE-Befall ist, die Infektion einzudämmen und eine Weiterübertragung bzw. die Ausbreitung des Erregers zu verhindern. Nach unbedingter Rücksprache und Abstimmung mit den behandelnden Haus- und Fachärzten, kann auch eine sogenannte „Sanierung“ begonnen werden. Dabei wird versucht, den betroffenen Klienten, durch eine stringente Einhaltung bestimmter Isolationsbedingungen, desinfizierenden Waschungen, ggf. in Begleitung einer Medikamententherapie, vom Erreger zu befreien. Eine solche Therapie ist jedoch sehr zeit- und kostenintensiv und ist daher vorher unbedingt abzustimmen.

BESIEDELUNG MULTIRESISTENTER ERREGER

Multiresistente Erreger siedeln sich auf der Haut und auf Schleimhäuten des Menschen an und vermehren sich dort. Das warm-feuchte Milieu (z. B. in der Nase oder dem Darm) bietet hierfür optimale Bedingungen. Gefährlich ist, dass dieser Befall (medizinisch auch als Kolonisation bezeichnet) anfangs völlig symptomfrei ablaufen kann. In dieser Zeit besteht aber ein potentielles Risiko, dass sich die Erreger weiter verbreiten.

INFEKTION MIT MRE-ERREGERN

Gelingt es den Erregern über die Haut, Schleimhäute sowie normale oder künstliche Körperöffnungen in den Organismus einzudringen, hat dies Krankheitssymptome zur Folge. Ist ein Mensch von multiresistenten Erregen befallen, zeigt sich dies u. a. durch unspezifische Anzeichen einer Entzündung, plötzlichen Infektionen, langanhaltenden Wundheilungsstörungen und münden schlimmstenfalls in einer Sepsis. Inkubationszeit nach einer Ansteckung mit multiresistenten Erregern erstreckt sich, in Abhängigkeit der Erregerart, von Stunden oder Tagen bis zu Monaten (siehe Spruchreif 11/2015).

RISIKOGRUPPEN FÜR MRE-BESIEDLUNG

Ein erhöhtes Risiko für eine MRE-Besiedelung haben Personen mit einer geschwächten Immunabwehr. Dies sind z. B. Klienten, die mehrere Grunderkrankungen gleichzeitig haben (Multimorbidität). Ein erhöhtes Infektionsrisiko haben auch Pflegebedürftige, Menschen mit offenen bzw. chronischen Wunden, Diabetiker, Personen mit Durchblutungsstörungen und Dialysepflichtige. Auch Personen die eine Trachelkanüle tragen, einen Dauerkatheter oder eine liegende Magensonde (z. B. PEG) haben, haben ein erhöhtes Infektionsrisiko. Diese künstlichen Körperöffnungen stellen „willkommene Eintrittspforten“ für Erreger und Keime dar.

RESISTENZENTWICKLUNG GEGEN BAKTERIEN

Durch den übermäßigen und falschen Einsatz von Antibiotika, konnten bestimmte Bakterien eine Unempfindlichkeit, eine sogenannte Resistenz, entwickeln. Es wird heute angenommen, dass dieser Prozess durch den wenig reflektierten Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika, teilweise ohne Antibiogramm, noch gefördert worden ist. Wird vor dem Einsatz eines Antibiotikums bestimmt, um welche Bakterien es sich handelt und welches Präparat hierfür am geeignetsten ist, wird dies als Antibiogramm bezeichnet. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko lässt sich auch auf eine mangelnde Compliance der Patienten zurückführen. Aufgrund einer nicht ausreichenden oder nicht beachteten Beratung, setzen die Betroffenen das Antibiotikum selbständig verfrüht ab und bieten dem Erreger, der sich immer noch im Organismus befindet, die Möglichkeit, seine Struktur umzuwandeln. Durch diese Veränderung (Mutation) ergibt sich eine Widerstandfähigkeit gegen das ursprünglich eingesetzte Präparat. Die Folge ist der zwingende Einsatz eines stärkeren Medikamentes. Durch diese Kettenreaktion ist im Laufe der vergangenen Jahre die Situation eingetreten, dass MRE zunehmend auftreten und nur noch schwer bis nicht behandelbar geworden sind.

MRGN - MULTIRESISTENTE GRAMNEGATIVE ERREGER

MRGN ist die Abkürzung für „Multiresistente Gramnegative Erreger“. 3-MRGN sind resistent gegen 3 der 4 wirksamen Antibiotika-Gruppen. 4- MRGN sind resistent gegen alle 4 Gruppen. Die vier klinisch relevanten und wirksamen Antibiotika-Gruppen sind 1. Penicilline, 2. Cephalosporine, 3. Carbapeneme und 4. Fluorchinolone. ESBL

ESBL steht für „Extended Spectrum Beta-Lactamase“ und beschreibt bakterielle Enzyme, die Beta-Laktam-Antibiotika unwirksam machen. Dazu zählen Penicilline, Cephalosporine und Carbapeneme. Unterschiedliche Bakterienarten können die Fähigkeit entwickeln, ESBL zu bilden und diese Fähigkeit speziesübergreifend weiter zu geben.