Gut informiert: Fachwissen aus erster Hand.

Hier finden Sie eine Sammlung von spannenden Fachthemen, die unsere Redakteure aus den verschiedenen Bereichen unserer Unternehmensgruppe für unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter monatlich für unsere Unternehmenszeitung "Spruchreif" erstellen.

Nadelstichverletzungen (NSV) TJ 

Nadelstichverletzungen sind Stich-, Schnitt- oder Kratzverletzungen durch stechende und schneidende Instrumente. Eine Nadelstichverletzung mit Infektionsrisiko liegt auch vor, wenn die Wunde nicht blutet1. Pflegekräfte sind die am häufigsten betroffene Berufsgruppe, noch vor den Ärztinnen und Ärzten, mit 50 bis 75 Prozent der zugeordneten Unfälle.2

Die Auswertung der Verbandbücher unserer Unternehmensgruppe der Jahre 2014 und 2015 hat 45 konkrete Fälle von Nadelstichverletzungen ergeben. Da Experten davon ausgehen, dass 50 bis 90 Prozent der NSV nicht gemeldet werden, ist dies eine Größenordnung, welche uns Handlungsbedarf im Bereich der Anwendung, Durchführung und der Postexpositionsprophylaxe (PEP) aufzeigt.3 Als Postexpositionsprophylaxe gelten die ersten Sofortmaßnahmen, die ergriffen werden, wenn Personen mit einem Erreger in Kontakt gekommen sind, um einen möglichen Krankheitsausbruch zu verhindern. Dazu gehört z. B. eine nachträgliche Schutzimpfung, innerhalb kürzester Zeit, wenn der Klient eine ansteckende Erkrankung hat (z. B. Hepatitis).

Die Mehrheit der protokollierten NSV wurden im Rahmen der Durchführung der Blutzuckerbestimmung und bei der Insulininjektion dokumentiert. Bei diesen Tätigkeiten ist die persönliche Schutzausrüstung (z. B. Einmalhandschuhe) zu benutzen, eine ruhige Arbeitsumgebung zu wählen, die Lichtverhältnisse müssen der Tätigkeit entsprechen angepasst sein, der durchstichsichere Abwurfbehälter muss in unmittelbarer Reichweite bereitgestellt sein und ein Wiederaufsetzen der Schutzkappe der Injektionsnadel (das sog. Recapping) ist strikt untersagt. Im Optimalfall entsprechen die Arbeitsmaterialien (z. B. Kanülen) den aktuellen Richtlinien und sind stichsicher. Im Bereich der ambulanten Hauskrankenpflege sind wir jedoch auf die Arbeitsmittel angewiesen, die unseren Klienten durch den behandelnden Arzt oder die bereitstellende Apotheke zur Verfügung gestellt werden.

Sollte es trotz der Einhaltung der Schutzmaßnahmen zu einer Nadelstichverletzung kommen, achten Sie bitte bei der Erstversorgung darauf, dass nur leichter Druck auf das umliegende Gewebe ausgeübt wird. Bei einer Druckausübung direkt auf die NSV wird den Erregern das Eindringen in tiefere Hautschichten ermöglicht, was wiederrum das Infektionsrisiko erhöht.

Nach der Erstversorgung der NSV ist die Vorstellung beim Durchgangsarzt (D-Arzt) obligatorisch. Die Anschrift und die Telefonnummer Ihres zuständigen D-Arztes befindet sich auf dem Erste-Hilfe-Plakat und ist zusätzlich auf dem ‚PDL Laufwerk‘ im ‚Handbuch Arbeitsschutz‘ hinterlegt. Grundsätzlich sind Mediziner in der Notaufnahme eines Krankenhauses immer auch D-Ärzte und können ohne Termin aufgesucht werden. Ist ein Arbeitsunfall beim D-Arzt aktenkundig gemacht worden, ist ein Eintrag in das Verbandbuch nicht mehr zwingend notwendig. Jedoch unterstützen Sie uns als Arbeitgeber dabei, dass Risiko an Stichverletzungen zu ermitteln und entsprechende Vorsichtsmaßnahmen einzuleiten. Tragen Sie daher jede Stichverletzung in Ihr Verbandbuch ein!

Meist sind die Infektionserkrankungen unserer Klienten den Mitarbeitern bekannt. Viren gehören dabei zu den gefährlichsten Erregern, die bei einer NSV übertragen werden können. Am häufigsten bezieht sich dies auf die Hepatitis B, C und D-Viren sowie HIV und das CMV (Cytomegalievirus). Wichtig ist, dass bei einer diagnostizierten HIV-Infektion oder einem unsicheren, beziehungsweise einem nicht bekannten Infektionsstatus die Postexpositionsprophylaxe (PEP) unter optimalen Bedingungen bis spätestens 30 Minuten nach der NSV erfolgt ist. Ein Erfolg der PEP ist wissenschaftlich nicht belegt, da dies aus ethischen Aspekten nicht eruiert werden kann. Die Erhöhung des Infektionsrisikos ist unmittelbar in Abhängigkeit von der Schnitttiefe und der Kontaktdauer mit dem Erreger zu setzen. Unter Durchführung der PEP beim D-Arzt ist aber ein statistisch positives Ergebnis zu verzeichnen.

Denken Sie daher immer daran: Arbeitsschutz geht alle an!

Quelle:

1 www.baua.de, 2016

2 vgl. www.bgw-online.de, 2016

3 vgl. www.nadelstichverletzung.de, 2016