Händedesinfektion und Hautschutz Nadine von Ende, Hygienebeauftragte 

Händedesinfektion und Hautschutz - einmal mehr als einmal zu wenig und richtig!

Bakterien, Viren und andere sogenannte humanpathogene Mikroorganismen werden in erster Linie über unsere Hände übertragen. Die Pflegeumgebung ist wesentlich besiedelt und durch Berührungen gelangen die Erreger wieder auf unsere Hände und können sich weiter vermehren. Das Erreger- und Resistenzspektrum hat sich in den letzten Jahrzehnten zum Vorteil der Keime verändert und wird uns zukünftig in zunehmendem Maße bedrohen und vor unlösbare Probleme stellen. Da aktuell bundeseinheitliche Standards, Empfehlungen und Therapiemöglichkeiten unzureichend vorhanden sind bzw. fehlen, bleibt uns zum Schutz nur hygienisches Arbeiten sowie die situationsgerechte Desinfektion.

Händedesinfektion ist effizienter und schonender als Händewaschen

Eine korrekt durchgeführte Händedesinfektion tötet 95% - 99% aller vermehrungsfähigen pathogenen Mikroorganismen ab. Einen besseren Schutz für Mitarbeiter, Patienten und Dritte gibt es nicht. Um mit dem Waschen der Hände eine 50%ige Reduktion der Erreger zu erreichen, muss man die Hände 30 Sekunden lang gründlich einseifen und abspülen sowie gründlich abtrocknen. Da
Stückseife und Stoffhandtücher ein riesiges Keimreservoir darstellen, sind, außerhalb des eigenen Haushalts, Seifenspender und Papierhandtücher ein Muss. Anschließend ist das Eincremen zum Aufrechterhalten des natürlichen
Hautmilieus unabdingbar, da das Händewaschen der Haut schadet. Der schützende Säureschutzmantel und die natürlichen Hautfette, welche die oberste Hornschicht der Haut widerstandsfähig halten, werden ausgewaschen und über den Abfluss weggespült. Warmes oder heißes Wasser begünstigen dies zusätzlich. Die Haut trocknet aus und Hautirritationen können der Beginn schwerwiegender Schädigungen sein. Händewaschen ist nur bei sporenbildenden Erregern (z.B. Clostridioides difficile) sowie bei groben Verschmutzungen
unabdingbar. Regelmäßiger Hautschutz und Hautpflege sind während der Arbeitszeit mit dem zur Verfügung gestellten Kombiprodukt verpflichtend für jeden Mitarbeiter. Auch außerhalb der Arbeitszeit ist es sinnvoll geeignete Produkte, ohne Silikone, Duftstoffe und Konservierungsstoffe, zu verwenden. Eine gesunde
Hautbarriere hindert Keime am Eindringen in den Körper und dient im Wesentlichen dem Schutz vor Infektionen. Außerdem können nur Hände mit gutem Hautzustand korrekt desinfiziert werden.

Momente der Desinfektion

Vor Patientenkontakt und aseptischen Tätigkeiten am Patienten, nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien, nach Patientenkontakt und Kontakt zur unmittelbaren Patientenumgebung. Zur effizienten Erregerabtötung muss die erregerspezifische Einwirkzeit des Händedesinfektionsmittels beachtet werden.
Das bedeutet, die Hände müssen bei Sterillium ® med 30 Sekunden bzw. bei Sterillium® virugard 2 Minuten feucht gehalten werden. Bei Bedarf kann und muss hier selbstverständlich Desinfektionsmittel nachgenommen werden, um die Einreibezeit korrekt einzuhalten. Entscheidend dabei ist die Einreibung aller Bereiche der Hände einschließlich der Handgelenke. Besonderes Augenmerk ist auf Fingerkuppen und Daumen zu legen. Fingerkuppen und Daumen sind besonders wichtig, da sie am häufigsten in direkten Kontakt mit Patienten und potenziell verkeimten Oberflächen kommen. Die eigenverantwortliche Einreibemethode ist möglich, wenn die kompletten Hände mit Nägeln und Handgelenken für die o. g. Einwirkzeit eingerieben werden.

Voraussetzungen für eine Handdesinfektion

Grundvoraussetzung für die Händedesinfektion sind nackte Hände – ohne künstliche Oberflächen und Gegenstände, trockene, saubere und gepflegte Hände. Die von uns eingesetzten Händedesinfektionsmittel sind nur für Hände geeignet und wirken daher nur auf diesen in ausreichender Form. Befinden sich an Ihren Nägeln und Händen künstliche Oberflächen (Nagellack, künstliche Nägel),
reicht das Wirkspektrum des Desinfektionsmittels nicht aus und Sie laufen Gefahr, Keime zu horten und selbst zu einem ungewollten Erregerreservoir zu werden und diese zu verschleppen. Die Oberflächen der künstlichen Nägel werden brüchig und rissig. Durch diese Veränderungen kann das Desinfektionsmittel
nicht ausreichend wirken, aber auch die Keime können sich gut verstecken und festhalten. Auch Ringe und Armbänder sind künstliche Oberflächen, die nicht sicher desinfiziert werden können. So können Sie Keime aus Ihrem Arbeitsumfeld weiterverbreiten und schlimmstenfalls auch mit in Ihren privaten Haushalt
verschleppen. Aus diesem Grund gilt in unserem Unternehmen ein strenges Verbot von Nagellack, jegliche Art künstlicher Nägel und Schmuck an den Händen und Unterarmen (Ringe, Eheringe, Ketten, Uhren, Armreifen, Armbänder). Diese Regelung finden Sie in unserer unternehmensweit gültigen Verfahrensanweisung
„Persönliche Arbeitssicherheit“.

Welchen Schutz bieten Einmalhandschuhe

Einmalhandschuhe bieten nur einen begrenzten Schutz vor pathogenen Mikroorganismen, da sie für diese, je nach Material, unterschiedlich durchlässig sind. Einmalhandschuhe schützen die Haut nur vor Flüssigkeiten und Detergentien (Wasch-, Reinigungs- und Pflegemittel und Gefahrstoffe). Deshalb ist eine korrekte Händedesinfektion nach Entfernen der Handschuhe so wichtig. Nitrilhandschuhe sind für 30 Minuten chemikalienbeständig. Führen sie Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten durch müssen Sie spätestens nach 30
Minuten die Handschuhe wechseln, da die Handschuhe den Schutz vor den verwendeten Gefahrstoffen verlieren. Ihnen stehen Nitrilhandschuhe mit kurzer und langer Stulpe zur Verfügung. Die langstulpigen Nitrilhandschuhe sind für hauswirtschaftliche Tätigkeiten sowie zum Aufbereiten der Sekretgläser und
Spülgläser zu nutzen. Die kurzstulpigen Handschuhe werden für pflegerische Tätigkeiten genutzt.

Baumwollhandschuhe bei Unverträglichkeiten

Werden durch einen Arzt oder die BGW auf Grund von Unverträglichkeiten oder Hautauffälligkeiten Baumwollhandschuhe empfohlen, sind diese vom Mitarbeiter zu tragen, wenn Tätigkeiten durchgeführt werden, die länger als 15 Minuten andauern und hierfür Handschuhe notwendig sind. Die Baumwollhandschuhe
werden durch den Arbeitgeber gestellt. Sie müssen unter hygienischen Aspekten gesammelt und anschließend desinfizierend aufbereitet werden. Baumwollhandschuhe müssen bei jedem Handschuhwechsel mit gewechselt
werden.
Quellen: ausführliche Quellenangabe unter Laufwerk PR, Spruchreif 2019,
12_2019