MRE - Multiresistente Erreger, Teil 2 Nadine von Ende, Hygienebeauftragte 

MRE - Multiresistente Erreger, Teil 2

Risikopersonen

Ein erhöhtes Risiko für eine MRE-Besiedelung haben Personen mit einer geschwächten Immunabwehr. Dies sind z. B. Menschen, die mehrere Grunderkrankungen gleichzeitig haben (Multimorbidität). Demnach sind Pflegebedürftige; Menschen mit offenen bzw. chronischen Wunden, Diabetiker,
Personen mit Durchblutungsstörungen und Dialysepflichtige, vor allem aber Personen mit Devices (Trachealkanüle, Dauerkatheter, PEG etc.) Risikopatienten. Vor allem künstlichen Körperöffnungen stellen „willkommene Eintrittspforten“ für Erreger und Keime dar.

Zielsetzung

Oberstes Ziel bei einem diagnostizierten MRE-Befall oder einer MRE-Infektion ist,
den Infektionsherd einzudämmen und eine Weiterübertragung bzw. die Ausbreitung des Erregers und im schlimmsten Fall einen Ausbruch zu verhindern. Nach unbedingter Rücksprache und Abstimmung mit den behandelnden Haus- und Fachärzten, kann bei bestimmten Erregern ggf. eine sogenannte „Sanierung“ begonnen werden. Dabei wird versucht, den betroffenen Patienten, durch eine stringente Einhaltung bestimmter Isolationsbedingungen, ggf. desinfizierenden
Waschungen, und in Begleitung einer möglichen Medikamententherapie, vom Erreger zu befreien. Eine solche Therapie ist jedoch sehr zeit- und kostenintensiv und ist daher vorher unbedingt abzustimmen.

Besiedelung

Multiresistente Erreger siedeln sich auf der Haut und auf Schleimhäuten des Menschen an und vermehren sich dort. Das warm-feuchte Milieu (z. B. in der Nase oder dem Darm) bietet hierfür optimale Bedingungen. Gefährlich ist, dass ein Befall (medizinisch auch als Kolonisation bezeichnet) bei gesunden Menschen völlig symptomfrei ablaufen kann. Es besteht auch die Möglichkeit das Erreger Menschen vorübergehend besiedeln (Transiente Flora). In der Zeit der Besiedlung besteht aber ein potentielles Risiko, dass die Erreger weiterverbreitet werden. Bei medizinischen Eingriffen oder bei Immunabwehrschwäche können multiresistente gramnegative Bakterien Infektionen auslösen. Eine Besiedelung mit multiresistenten Darmbakterien muss nicht behandelt werden. Da die Bakterien im Darm leben und dort nicht alle abgetötet werden können, bleibt eine Besiedelung oft dauerhaft bestehen, manchmal verschwinden die Bakterien auch von selbst. Eine gute Händehygiene nach jedem Toilettenbesuch und besonders vor der Zubereitung von Speisen kann Übertragungen verhindern.

Infektion

Gelingt es den Erregern über die Haut, Schleimhäute sowie normale oder künstliche Körperöffnungen in den Organismus einzudringen, hat dies Krankheitssymptome zur Folge. Ist ein Mensch mit multiresistenten Erregen
befallen, zeigt sich dies u. a. durch unspezifische Anzeichen einer Entzündung, plötzlichen Infektionen, langanhaltenden Wundheilungsstörungen und münden schlimmstenfalls in einer Sepsis. Die Inkubationszeit nach einer Ansteckung mit multiresistenten Erregern erstreckt sich, in Abhängigkeit der Erregerart, von Stunden oder Tagen bis zu Monaten. Entscheidend über das Entstehen einer Infektion ist die individuelle Abwehrsituation.

Biofilme

Mikroorganismen lieben Oberflächen aus Kunststoffen. Dort siedeln sie sich ebenfalls gerne an und bilden eine komplexe und beständige Lebensgemeinschaften - den Biofilm. Er kann sich auf jeder mit Wasser benetzten Oberfläche mit der Zeit bilden. Nicht jeder Biofilm ist krankheitserregend. Wichtige Erreger in diesem Zusammenhang sind Pseudomonaden, Staphylokokken und Streptokokken. Im Pflegealltag können
Biofilme an folgenden Stellen auftreten: Tuchspendersysteme, Wassertank (Kaffeemaschine, Wasserkocher), Waschmittelfach, Dichtungsring Waschmaschine, Sprudelbehälter Sauerstoffapplikation, Spülglas und Sekretbehälter Absauggerät, Aufbewahrungsbehälter für Innenseelen, Zahnputzbecher, Gefäß mit Flüssigkeiten zur Mundpflege, Gefäße (Becher/Gläser/Tassen) zur Versorgung mit Arzneimitteln/Lebensmitteln/Flüssigkeiten, Waschbecken, Duschen, Duschbrausen und Toiletten. Sichtbar wird ihr Wachstum, als schleimige Matrix, für das menschliche Auge dann, wenn Biofilme exorbitante Ausmaße entwickeln. Biofilme sind ein Keimreservoir, welches die Materialien schädigt und die Funktion technischer Einrichtungen mindert. Allgemein sind Biofilme schwer entfernbar bzw. treten sie immer wieder auf. Die Lebensgemeinschaft bietet den Mikroorganismen Schutz vor chemischen und physikalischen Umwelteinflüssen, wie beispielsweise Desinfektionsmittellösungen. Biofilme werden laut dem Reinigungs- und Desinfektionsplan entfernt.

Resistenzentwicklung

Durch den übermäßigen und falschen Einsatz von Antibiotika, konnten bestimmte
Bakterien Unempfindlichkeiten, sogenannte Resistenzen, entwickeln. Es wird heute angenommen, dass dieser Prozess durch den wenig reflektierten Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika, teilweise ohne Antibiogramm, noch gefördert worden ist. Wird vor dem Einsatz eines Antibiotikums bestimmt, mittels Antibiogramm, um welche Erreger es sich handeln und welche Resistenzen bzw. Sensibilitäten vorliegen kann ein geeignetes Präparat ausgewählt werden. Weitere Resistenzentwicklungen werden vermieden und auch dem Patienten bleibt Unnötiges erspart. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko lässt sich auch auf eine mangelnde Compliance der Patienten zurückführen. Aufgrund einer nicht ausreichenden oder nicht beachteten Beratung, setzen die Betroffenen das Antibiotikum selbständig und verfrüht ab und bieten dem Erreger, der sich immer noch im Organismus befindet, die Möglichkeit, seine Struktur umzuwandeln. Durch diese Veränderung (Mutation) ergibt sich eine Wiederstandfähigkeit (Resistenz) gegen das ursprünglich eingesetzte Präparat. Die Folge ist der zwingende Einsatz eines stärkeren Medikamentes. Durch diese Kettenreaktion
ist im Laufe der vergangenen Jahre die Situation eingetreten, dass MRE zunehmend auftreten und nur noch schwer bis nicht behandelbar geworden sind.

Bedeutung ESBL

ESBL steht für „Extended Spectrum Beta-Lactamase“ und beschreibt bakterielle
Enzyme, die Beta-Laktam-Antibiotika unwirksam machen. Dazu zählen Penicilline, Cephalosporine und Carbapeneme. Unterschiedliche Bakterienarten können die Fähigkeit entwickeln, ESBL zu bilden und diese Fähigkeit speziesübergreifend weiter zu geben. Aus den Erregereigenschaften, der Virulenz
und Pathogenität sowie den Erregerlokalisationen ergeben sich aus den individuell
zu erstellenden Gefährdungsbeurteilungen die für uns geltenden Hygienemaßnahmen (siehe MRE Teil 1).

Aktuelles zu MRE

Die neue KRINKO-Empfehlung zu VRE ist im Oktober 2018 erschienen. Im Juni 2019 ist die neue Empfehlung „Hygienemaßnahmen bei Clostridioides difficile-Infektion (CDI)“ der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention
erschienen. Transport von mit MRSA besiedelten Personen

April 2019: Die KRINKO hat in der „Empfehlung zur Prävention und Kontrolle von
Methicillin-resistenten Staphylococcus- aureus-Stämmen (MRSA) in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen“ unter Punkt 2.8 festgestellt, dass MRSA-Patienten außerhalb der hier genannten (medizinischen) Einrichtungen keinen Einschränkungen unterliegen; sie können die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, dazu zählt auch der „nichtqualifizierte“ Krankentransport. Eine MRSA-Besiedlung alleine stellt keinen Grund für die Nutzung des qualifizierten Krankentransports dar. Diese Empfehlung beruht darauf, dass die medizinisch-pflegerischen Kontakte, die bestimmungsgemäß nur bei qualifizierten Krankentransporten vorkommen, in der Patientenversorgung entscheidend für das Übertragungsrisiko von MRSA sind, während soziale Kontakte nicht mit einem erhöhten MRSA-Übertragungsrisiko einhergehen.
EUCAST neue Kategorie „I“
April 2019: Das European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing
(EUCAST) hat die Kategorie „I“ bei der Antibiotika-Resistenzbestimmung neu definiert. (…) Das neue „I“ bedeutet somit „sensibel bei erhöhter (Increased) Exposition“ und „S“ bedeutet „sensibel bei normaler Exposition“. „R“ bedeutet unverändert „resistent“.

Bei Rückfragen können Sie das Team Organisationsentwicklung
gern kontaktieren.

Quelle: ausführliche Quellenangabe unter Laufwerk PR, Spruchreif 2019,
12_2019