Wissenswertes zu Pseudomonas spp. NvE 

Pseudomonas in der Pflege

Bei unserer täglichen Arbeit in der Pflege begegnen uns regelmäßig viele Krankheitserreger und pathogene Keime, vor denen wir uns schützen müssen, da sie uns krank machen können oder eine Heilung verzögern. Im Bereich der außerklinischen Intensivpflege und Beatmung versorgen wir sehr häufig Klienten, die ein schwaches Immunsystem haben.

Infizieren sie sich mit Krankheitserregern, die uns gesunden Personen nicht viel ausmachen, kann es für sie um Leben und Tod gehen. Zu den heute oftmals leichtsinnig vernachlässigten Erregern gehört der Pseudomonas spp. – auch als Wasser- oder Pfützenkeim bekannt. Unsere Hygienebeauftragte Nadine von Ende hat für Sie die wichtigsten Informationen zu diesem Thema zusammengetragen, die Ihr vielleicht schon „eingestaubtes“ Wissen wieder auffrischen sollen.

Definition und Vorkommen
Pseudomonas spp. (lat. Abkürzung für Spezies, Arten) ist eine Gattung Gram-negativer, stäbchenförmiger Bakterien der Familie der Pseudomonadaceae. Pseudomonaden sind aerob und benötigen damit Sauerstoff für ihren Stoffwechsel. Einige Spezies sind jedoch in der Lage, anaerob (in Sauerstoffarmut) zu existieren. Infizierte Wunden sind oft mit blau-grünem Eiter gefärbt und besonders auffällig ist dabei der süßliche „Lindenblüten“-Geruch. Sie sind opportunistische Erreger, das bedeutet, sie machen sich eine Primärerkrankung des Körpers zunutze und können sich an beinahe alle Lebensbedingungen optimal anpassen (sehr anspruchslos, hohe Umweltresistenz). Pseudomonaden sind sogenannte Boden-, Wasser- oder Nasskeime, die überall in der Umwelt vorkommen, das heißt im Erdboden, im Wasser, in Pflanzen, in geringen Mengen auch im Darm von Menschen und Tieren. Ein sehr erregerfreundliches Reservoir stellen dabei Sanitärbereiche (Waschbecken, Toiletten, Badewasser) dar, da hier immer ein feuchtes Milieu gegeben ist. Der Feuchtigkeit liebende Erreger kann somit in Putzutensilien, Kosmetika, Feuchttüchern, Flüssigkeiten und Lösungen - zur Desinfektion oder zur Aufbewahrung von Kontaktlinsen oder Wundspüllösungen, in Vasen oder auch Spülmaschinen zu finden sein. Die Infektionsquelle können kontaminierte Sekrete, Ausscheidungen, Wasser, Flüssigkeiten (Aufbewahrungsbehälter, Inhalationsgeräte, Inhalationsflüssigkeiten oder Trinkwasserinstallationen) und Körperregionen, wie zum Beispiel Achseln und Perineum, sein.

Besondere Risikofaktoren für unsere Klienten stellen künstliche Zugänge und Ablaufsysteme dar. Dazu gehören u. a. Trachealkanülen, Urinkatheter, PEG und jede weitere Art von Kathetern, Drainage- und Infusionssystemen. Auch Fremdkörper, verletzte Haut, chronische Wunden, Antibiotika- bzw. Chemotherapie sowie prädisponierende Grundkrankheiten (Multimorbidität) erhöhen das Risiko einen Befall mit Pseudomonas zu bekommen.

Übertragungswege von Pseudomonas

Verbreitet werden die Keime über den direkten Kontakt. Also über die Hände (fäkal-oral), über indirekten Kontakt, also über Gegenstände und Flächen des täglichen Gebrauchs (fäkal- vehikel-oral) oder auch Luftströmungen (durch Absaugen, Husten, Niesen, Mundpflege, Duschen etc.). Selbst geringe Konzentrationen dieses Erregers können zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen, wobei der Nachweis multiresistenter Pseudomonaskeime in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat.
Aktuell gibt es gegen 3MRGN und 4MRGN Pseudomonas aeruginosa nur wenige bis keine Therapiemöglichkeiten, wodurch die Aussichten für Infizierte schlecht sind.

Prophylaxe und Beratung
Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung betreffen die Mitarbeiter der Pflege, Hauswirtschaft und Betreuung. Es gelten die Standardhygienemaßnahmen laut unseren internen Vorgaben, die unbedingt eingehalten werden müssen. Innerhalb unserer Pflegeteams ist aufgefallen, dass die Hygienevorgaben sehr unterschiedlich umgesetzt werden. Während in einigen Pflegeteams ein übermäßiger und teilweise unreflektierter Gebrauch von Schutzartikeln (Schutzkittel, Mundschutz und Handschuhe) stattfindet, setzen Mitarbeiter anderer Teams die Grundregeln des allgemeingültigen Hygienemanagements nicht um. Dabei kommt es vor, dass Mitarbeiter ohne jeglichen Eigenschutz in klientennahe Bereiche gehen und pflegerische Maßnahmen (z. B. Absaugen) durchführen. Der beste Schutz vor einem Befall mit Pseudomonaserregern ist die Einhaltung unserer unternehmensinternen Hygienevorgaben. Diese finden Sie in den überarbeiteten Hygieneplänen, die in allen Pflegeteams ausgestellt sind. Darin haben wir Informationen zum Eigen- sowie zum Fremdschutz für Sie zusammengefasst. Auch ist es wichtig, dass andere an der Pflege und Versorgung Beteiligte, über den Erreger und die die Übertragungswege informiert werden. Gehen Sie auf Ihre Kollegen und Angehörige unserer Klienten zu und erklären Sie, weshalb diese einfachen Schutzmaßnahmen so wichtig sind.

Sollten Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, können Sie sich sehr gern an Ihre Pflegedienstleitenden und die Mitarbeiter des Qualitätsmanagements wenden!