Respiratorische Insuffizienz / Respiratorische Globalinsuffizienz

Während viele Erkrankungen im Laufe der Jahre durch Fortschritte in der Medizin und bessere Lebensbedingungen weitgehend eingedämmt werden konnten, sind chronische Lungenerkrankungen leider immer noch weit verbreitet und die Zahl der Betroffenen nimmt eher zu als ab. Laut dem Statistischen Bundesamt verstarben im Jahr 2018 deutschlandweit 71.719 Menschen aufgrund von Erkrankungen des Atmungssystems.

Eine der am meisten verbreiteten Lungenerkrankungen ist die respiratorische Insuffizienz, deren Ursache verschiedene Krankheitsbilder sein können. Grundlage der Erkrankung ist die defizitäre Aufnahme von Sauerstoff, die zu einem akuten Sauerstoffmangel im Blut führt und ein zu hoher Kohlendioxidgehalt im Blut. Kurzgefasst: Der Gasaustausch in der Lunge ist bei dieser Erkrankung komplett gestört.

Was genau ist respiratorische Insuffizienz?

Die respiratorische Insuffizienz beschreibt die Unfähigkeit der Lunge, ausreichend Sauerstoff aus der Luft in das Blut aufzunehmen und damit die Organe ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen (=Hypoxie). Ursache für diese Störung kann eine Schädigung des Lungengewebes, der Atemmuskulatur, der Lungengefäße, des Herzens oder auch der Blutkörperchen sein. Möglich ist auch eine Kombination verschiedener Ursachen.

Je nach Ursache kann es, neben dem Sauerstoffmangel, auch zu einem Anstieg des Kohlendioxids im Blut kommen, wenn dieses nicht mehr vollständig ausgeatmet werden kann. Bezeichnet wird dies als ventilatorische Insuffizienz oder auch als respiratorische Globalinsuffizienz. Im Gegensatz dazu kommt es bei der respiratorische Partialinsuffizienz „nur“ zu einer Hypoxie.

In der Regel wird der Begriff „respiratorische Insuffizienz“ als Synonym für eine „respiratorische Globalinsuffizienz“ verwendet.

Die respiratorische Insuffizienz kann sowohl als akuter Schub oder als chronische Erkrankung auftreten. Die akute Form der Erkrankung ist in der Regel für Patienten bedrohlicher und mitunter auch lebensgefährlich. Aber auch mit einer chronischen respiratorischen Insuffizienz muss sorgsam umgegangen werden und häufig bedarf diese einer dauerhaften Betreuung durtch kompetentes Pflegepersonal – daheim oder in einer speziell eingerichteten außerklinischen Intensivpflegeeinrichtung.

Worin liegen die Ursachen von respiratorischer Insuffizienz?

Die Ursachen einer chronischen respiratorischen Insuffizienz sind vielschichtig, in den meisten Fällen wird sie jedoch durch eine schwere Lungenerkrankung hervorgerufen. Dazu gehören:

  • COPD
  • Pneumonie (Lungenentzündung)
  • Lungenfibrose
  • Pickwick-Syndrom / Obesitas-Hypoventilationssyndrom
  • Lungenembolie
  • Lungenverletzung
  • Schlafapnoe
  • Asthma
  • obstruktive Bronchitis
  • Mukoviszidose

Aber auch Erkrankungen der Muskulatur und des Nervensystems können eine chronische respiratorische Insuffizienz auslösen. Dazu gehören:

Darüber hinaus können auch Herzerkrankungen (Herzinsuffizienz, Herzinfarkt) oder auch Erkrankungen des blutbildenden Systems (Anämie) zu einer respiratorischen Insuffizienz führen.

Eine akute respiratorische Insuffizienz kann durch eine schon länger bestehende Lungenerkrankung, die sich plötzlich verschlimmert oder die sich plötzlich anders entwickelt als erwartet, ausgelöst werden. Auch eine Überdosis an Opioiden und Alkohol oder eine Rauchvergiftung können zu einer eingeschränkten Atmung und Lungenaktivität führen.

Wie sind die Symptome einer respiratorischen Insuffizienz?

Wie bereits erwähnt kann eine respiratorische Insuffizienz in chronischer oder akuter Form auftreten. Die Symptome ähneln sich mitunter, sind aber im Akutfall deutlich ausgeprägter. Außerdem stehen bei der chronischen Erkrankungsform die Symptome der eigentlichen Grunderkrankung mehr im Vordergrund.

Symptome einer akuten respiratorischen Insuffizienz:

  • starke Luftnot
  • Husten
  • Auswurf (eitrig oder blutig)
  • Blaufärbung der Lippen und der Extremitäten
  • Schmerzen beim Atmen
  • Brustschmerzen
  • Herzrasen
  • Verwirrtheit
  • Ohnmacht, Kollaps

Symptome einer chronischen respiratorischen Insuffizienz:

  • konstante Luftnot
  • schlechte Sauerstoffsättigung
  • Vergesslichkeit
  • Erschöpfung, Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Nachlassen der geistigen und körperlichen Fähigkeiten
  • Veränderungen der Finger und Nägel (Trommelschlegelfinger, Uhrglasnägel)
  • Wassereinlagerung in den Beinen (Ödeme)

Bei akuter Luftnot sollte IMMER unverzüglich ein Arzt konsultiert werden. Auch die chronische Luftnot oder andere Symptome wie nachlassende geistige Fähigkeiten, ständige Müdigkeit, anhaltende morgendliche Kopfschmerzen müssen unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Bei akuten Symptomen ist in der Regel eine stationäre Aufnahme erforderlich.

Wie wird eine respiratorische Insuffizienz diagniostiziert?

Aufgrund der aufschlussreichen Symptome ist eine respiratorische Insuffizienz in der Regel recht schnell zu diagnostizieren. Um den letzten Beweis für diese Erkrankung anzutreten, werden zudem noch weitere Untersuchungen gemacht. Dazu gehören:

  • Messung des Sauerstoffgehalts im Blut mittels einer Elektrode, die an einen Finger oder ans Ohrläppchen angelegt wird (= Pulsoximetrie)
  • Untersuchung einer Blutprobe aus einer Arterie
  • Röntgenaufnahme des Brustkorbs
  • Computertomographie der Lunge

Wie wird eine respiratorische Insuffizienz therapiert?

In der Regel lässt sich eine respiratorische Insuffizienz durch eine sorgfältige Behandlung der Grunderkrankung deutlich verbessern - z.B. durch die Gabe von Antibiotika gegen eine Lungenentzündung oder von Bronchodilatatoren bei Asthma.

Wenn der Kohlendioxidgehalt im Blut dauerhaft erhöht ist, sollte geprüft werden, ob eine dauerhafte Beatmung von Nöten ist. Das erfolgt meist im Rahmen eines stationären Aufenthalts, ebenso wie die Anpassung der Beatmung und die Verordnung eines Beatmungsgeräts für daheim. Die Beatmung kann auf zwei Wegen erfolgen: in nicht-invasiver und in invasiver Form.

Die nicht-invasive Beatmung erfolgt über eine Maske, die auf Mund und Nase oder auch nur die Nase gesetzt wird.

Bei der invasiven Form der Beatmung wird die Luft durch einen in der Luftröhre liegenden Schlauch zugeführt (= Tracheostoma).

Mithilfe der künstlichen Beatmung wird bei Patienten mit respiratorischer Insuffizienz das Problem der mangelhaften Lungenbelüftung gelöst und der Kohlendioxidgehalt im Blut und den Organen gleichzeitig verringert.

In der Regel wird zuerst die nicht-invasive Beatmungsmethode angewendet. Zeigt diese nicht die gewünschte Wirkung, wird zur nicht-invasiven Beatmungsform übergegangen. Die meisten Patienten mit respiratorischer Insuffizienz werden zudem mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt, um den Sauerstoffmangel auszugleichen. In einigen Krankheitsfällen, z.B. bei COPD, wird eine Sauerstoff-Langzeittherapie verordnet, bei der Patient täglich, mindestens 16 Stunden lang, mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt wird. Das erfolgt z.B. mit Hilfe einer Rückentragehilfe oder eines Caddy, in denen die Sauerstoffflasche verpackt ist.

Wann sind Betroffene auf Intensivpflege angewiesen?

Je nach Alter und allgemeinem Gesundheitszustand des Patienten muss individuell entschieden werden, ob er/sie mit einer nicht-invasivem, einer invasiven Beatmungssystem oder einer dauerhaften Sauerstofftherapie allein oder nur mit konstanter Hilfe zurecht kommen. Diese dauerhafte Unterstützung kann jedoch nicht in jedem Haushalt von den Angehörigen gewährleistet werden. In diesen Fällen macht es Sinn, darüber nachzudenken, ob eine Pflegekraft den Patienten daheim versorgen kann oder ob er/sie besser in einer speziell eingerichteten Intensivpflegeunterkunft aufgehoben ist.

Vor allem Patienten, die auf eine dauerhaften invasiven Beatmung angewiesen sind, sollten unbedingt von einem qualifizierten Pflegedienst betreut und überwacht werden. Die invasive außerklinische Beatmung ist logistisch hoch aufwendig und erwartet ein komplexes Überleitmanagement von der Klinik in die häusliche Beatmung und kann nicht von den Angehörigen allein verantwortet werden.

Beispielhafte Erkrankungen, bei denen eine respiratorische Globalinsuffizienz auftritt und die unbedingt dauerhaft von qualifiziertem Pflegepersonal betreut werden sollten, sind:

  • schwere Form der COPD
  • hoher Querschnitt
  • fortgeschrittene ALS
  • fortgeschrittener Muskelschwund

Weiterführende Informationen zu respiratorischen Insuffizienz und anderen Lungenerkrankungen gibt es hier:

- www.breath-hannover.de (Deutsches Zentrum für Lungenforschung)

- www.lungenaerzte-im-netz.de

- www.lungeninformationsdienst.de